| | molitors besucht… den Kanzlerbungalow, Bonn

Zuhause bei den Big Five

Als eingespieltes Entdeckerteam waren wir, das Einrichterteam von molitors, diesmal auf den Spuren deutscher Architekturgeschichte unterwegs. So gelangten wir mit einem Schlenker über Venedigs Architektur-Biennale in das legendäre „Haus der Macht“ am Rhein – den Kanzlerbungalow in Bonn. Fünf große Bundeskanzler der Bundesrepublik waren hier von 1964 bis 1999 vorbildliche Gastgeber und konnten die Wiedervereinigung von hier aus Schritt für Schritt möglich machen.

Idyllisch und hübsch versteckt am Rhein, inmitten des herrlichen Palais-Schaumburg-Parks gelegen, offenbart die ehemalige „geheime Machtzentrale der Bundesrepublik“ seine ganz architektonische Schönheit.

Keinem anderen als dem Stararchitekten Sep Ruf ist es zu verdanken, dass der Kanzlerbungalow und Deutschland schon 1964 Haus zur Einheit wurden. Der damalige Wirtschaftswunder-Kanzler Ludwig Erhard hatte klare Vorstellungen von „seinem Haus für Deutschland“ und daher lauteten die Richtlinien für den Architektenauftrag: Weltoffenheit. Transparenz. Bescheidenheit. Zweckmäßigkeit. Typisch alte Bundesrepublik!

So wurden die Räume des berühmten Glashauses für Politik und Privates versetzt konzipiert, mit zwei ineinander verschachtelten Atrien.

Ludwig Erhard über die Architektur des Kanzlerbungalows„Voraussetzung für fruchtbares Arbeiten“

Die Gebäude waren (politisch korrekt) voneinander getrennt: der größere Teil für die Amtspflichten, der kleinere Teil mit separatem Pool, für das Privatleben.

In die Repräsentationsräume installierte man bewegliche Schiebe- und Versenkwände, die anlassgerechte und flexible Raumkombinationen ermöglichten. Die menschliche Begegnung stand im Vordergrund oder besser „saß“ in den wunderschönen Eames Lobby Chairs.

Die Wüstenrot Stiftung hat es vor einiger Zeit möglich gemacht, dass dieses schwerelose Architekturjuwel aus Glas und Stahl mitsamt Originaleinrichtung in seinen Urzustand gebracht werden konnte. Die Besucher erfreuen sich am Anblick der vielen modernen Klassiker, allesamt vom amerikanischen Design beeinflusst.

Unser Team war sehr beeindruckt und durfte einmal mehr feststellen, dass moderne Klassiker mehr als Möbel sind: Sie sind parteiunabhängig, krisenfest und sie haben das Zeug, Weltfrieden zu stiften.

Auf den wunderschönen Eames Lobby Chairs lässt sich ein Privatkonzert von Udo Jürgens komfortabel genießen

Bilder: © Tomas Riehle/ARTUR IMAGES, akg-images / dpa Picture-Alliance